Sergius Pauser

Calla und Flieder
1951
Öl auf Leinwand auf Hartfaser
89,2 x 69,8cm
Signiert und datiert rechts unten: Sergius Pauser (19)51

MÄRZ • AUSSTELLUNG 2012

Österreichische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts

Eröffnet wird die Ausstellung mit dem entzückenden, um 1850 entstandenen, „Stilleben mit Rosen“ von Andreas Lach, in dem der Künstler vor allem die Wechselwirkungen des Lichtes mit verschiedenen Oberflächen akribisch studierte und bravourös wiedergab. Die Erlesenheit dieses kostbaren Blumenarrangements kontrastiert beeindruckend mit der unprätentiösen Schilderung eines ruhenden Kälbchens im Stall, das der junge Friedrich Gauermann hier berührend für die Nachwelt erhalten hat. Sicherlich im väterlichen Bauernhof in Miesenbach entstanden, beeindruckt hier die erstaunlich lebendige Schilderung des Jungtieres in einer virtuosen und duftigen Ölmalerei auf Papier.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Zeit des großen impressionistischen  Aufbruchs innerhalb Europas. Bei Kovacek & Zetter sind in der diesjährigen Frühjahrsausstellung einige der schönsten und repräsentativsten Werke der wichtigsten österreichischen Landschaftsmaler dieser Zeit zu sehen: von Eugen Jettel und Rudolf Ribarz etwa sind wunderbare französische Landschaften ausgestellt - eine Weideidylle an der ruhig dahinfließenden Seine bei Montereau oder das eindrucksvolle Panorama des aus einem Steilhang regelrecht herauswachsenden steinernen Bergdorfs Thiers in der Auvergne. Beide Künstler setzten sich hier in der Tradition der Barbizonisten besonders mit den feinen Nuancen von Licht und Atmosphäre auseinander.  Die Grande Dame des österreichischen Stimmungsimpressionismus, Olga Wisinger-Florian, zieht mit ihrem 1891 entstandenen Kleinod „Im Bauerngarten“ sämtliche Register ihres Könnens und fängt die Stimmung und das intensive Kolorit eines blühenden ländlichen Gartens mit unvergleichlicher Leichtigkeit und Frische ein. Ein absolutes Highlight der Frühjahrsausstellung ist Marie Egners großformatiges Werk „In der Blütenlaube“ von 1896, das zweifellos als eines der schönsten Bilder im Oeuvre der großen Malerin zu werten ist. Dieses herrliche Gemälde erzählt in bestem impressionistischen Malduktus von einem lichtdurchfluteten Frühlingstag: von einer alten Holzlaube mit einem Vogelkäfig und einem  mit weißen Spitzentuch gedeckten Tisch, auf dem ein prachtvoller Fliederstrauss in den Sonnenstrahlen steht, umrankt von einem mit samtigen Blüten beladenen Kirschzweig, der sich aus dem Hintergrund in die Laube hineinstreckt um mit der Pracht des Flieders zu konkurrieren. „In der Blütenlaube“ ist ein museales Gemälde, das an kompositorischer Stimmigkeit und malerischer Brillanz kaum zu überbieten ist.

Auch die Abteilung der klassischen Moderne wartet mit veritablen Hauptwerken auf - so mit einer großformatigen weitläufigen „Landschaft mit Windmühle“ von Ferdinand Brunner.

Gerade in unseren Tagen mehr denn je scheinen seine ruhigen Bilder als Antipoden zur hektischen Betriebsamkeit des Lebens, laden ein zum Innehalten, zum „Sehen lernen“ und zum Entdecken des scheinbar Nebensächlichen. Wie eine „Weltenlandschaft“ außerhalb von Zeit und menschlichem Rhythmus wirkt diese monumentale, lichtüberglänzte Landschaft, die von behutsamen und charakteristischen Grüntönen dominiert wird. Im Oeuvre des großen Tiroler Künstlers Alfons Walde nehmen seine delikaten und oft sehr intimen Aktdarstellungen heute einen besonders geschätzten Stellenwert ein. Repräsentativ hierfür ist die „Erotische Dame“, eine dichte Mischtechnik in Öl und Gouache auf Papier. Eine in schräger Rückenansicht, nur mit einem schwarzen Spitzenhemd bekleidete Dame wendet sich in koketter Drehung dem Betrachter zu und blickt diesem herausfordernd und verführerisch entgegen.

Aus den Werken der Nachkriegskunst ist Werner Bergs beeindruckendes Blumenbild „Dahlien und Zinnien“ aus dem Jahr 1966 besonders hervorzuheben, sind doch Gemälde des Künstlers heute fast nicht mehr zu bekommen. Die Darstellung dieser geheimnisvoll leuchtenden Gartenblumen, vermutlich am eigenen Bauernhof entstanden, wo Werner Berg seit 1931 mit seiner Familie wohnte, besticht durch die formale und koloristische Reduktion, die ihre Wurzeln in der Malerei des deutschen Expressionismus hat.

Der letzten Sommer verstorbene Markus Prachensky ist mit einem großen Werk aus der Serie „Gallura“, in der sich der Künstler von der gleichnamigen Region in Sardinien inspirieren ließ, vertreten; eine Arbeit, die durch ihre Dichte und Farbintensität einen fast monumentalen Charakter hat.

Chronologisch abgeschlossen wird die Reise durch die Kunstgeschichte der österreichischen Malerei mit dem großformatigen Hauptwerk „Competition I“ von der wohl wichtigsten heimischen zeitgenössischen Künstlerin Maria Lassnig, einer 1999 gemalten kraftvollen Darstellung der sich gegenseitig aus dem Weg schiebenden Fussballer, die in voller Bewegung um den Ball ringen. Ein durch Format, Kolorit und malerische Dynamik grandioses Werk der international bedeutenden Künstlerin, deren Gemälde vor allem am österreichischen Kunstmarkt immer seltener zu finden sind.