14.10. - 02.11.2024
FINE ART Herbst 2024
13

Max Oppenheimer

1885 Wien - 1954 New York

Biografie

Fliederstrauß 1933

Öl auf Leinwand
65,5 x 50 cm
Signiert rechts unten: MOPP.

Provenienz

Privatsammlung Österreich

Ausstellung

Kollektivausstellung MOPP, CXXXIX. Ausstellung, Secession, Wien 1935/1936, Nr. 8

Literatur

Marie-Agnes von Puttkamer, Max Oppenheimer - MOPP (1885-1854). Leben und malerisches Werk mit einem Werkverzeichnis der Gemälde, Wien 1999, S. 275, Wkv.Nr. 222 (o. Abb.)
Vgl.: Hans-Peter Wipplinger (Hg.), Max Oppenheimer. Expressionist der ersten Stunde, Katalog zur Ausstellung Leopold Museum, Wien, Köln 2023, S. 257 ff.

Stallburggasse

Weitere Informationen

„Fliederstrauß“, schon bald nach seiner Entstehung in der Kollektivausstellung des Künstlers anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages in der Wiener Secession ausgestellt, ist ein seltenes und berührend persönliches Zeugnis aus einer dunklen Zeit, ein Meisterwerk der Malkunst des Kosmopoliten Max Oppenheimer, dessen Beitrag zur österreichischen Kunstgeschichte nicht hoch genug einzuschätzen ist.

1932 übersiedelt Max Oppenheimer aufgrund der für Juden eskalierenden politischen Lage von Deutschland zurück nach Wien. Bereits ein Jahr später, nach dem Reichtstagsbrand, wird sein Werk in Berlin diffamiert, aus öffentlichen Sammlungen entfernt und später für „entartet“ erklärt. Auch in Österreich gestaltet sich seine wirtschaftliche Situation, trotz großer Bekanntheit und Ausstellungspräsenz in Künstlerhaus und Secession, zunehmend schwierig, sodass er auf Hilfe seiner Schweizer Freunde und Förderer Jenny und Sidney Brown angewiesen ist. „Das Wenige, was die Regierung tut, macht sie für kirchliche Kunst und für die Provinz. Wie überhaupt ein empörend ordinärer Zug durch die Zeit geht, denn es ist nicht nur die materielle Knappheit, es ist auch die Abkehr von der Geistigkeit, die diese Notlage so drückend macht“, schreibt der Künstler 1935 in einem Brief an seine Mäzenin Jenny Brown.
Umso bemerkenswerter und in keinster Weise die Unsicherheit und Betroffenheit des Künstlers über die äußeren Umstände widerspiegelnd, erscheint die klare Präsenz und die schlichte Schönheit des Fliederstraußes, den Max Oppenheimer so eindrucksvoll und vital auf der Leinwand verewigt hat. Die Beruhigung der früheren elektrisierenden, futuristischen Formensprache zugunsten eines fast spätimpressionistischen Duktus – vor allem in der fulminanten Charakterisierung der lila Dolden – ist für diese Jahre charakteristisch. Die Hinwendung zum seltenen Thema des Blumenstilllebens kann durchaus auch als eine Art „innere Emigration“ gedeutet werden. Max Oppenheimer formt hier mit souveränem Pinselstrich jedes Detail dieses Bildes, und mit unnachahmlicher malerischer Routine gibt er die Blütenpracht des Fliederbusches in all ihren großartig nuancierten Blau- und Lilatönen vor kräftigem grünem Blattwerk wieder. Durch den pointierten pastosen Farbauftrag verleiht Max Oppenheimer dem Strauß in der Vase eine subtile Plastizität, die gerade wegen des indifferent lasierten Hintergrunds gelungen kontrastiert wird. Mit raschem Lineament und flüchtigem Umriss hat er auch die Glasvase, festgehalten und der Eindruck der schimmernden Transparenz ist ihm meisterhaft gelungen, obwohl das Gefäß nur schemenhaft wiedergegeben ist. Links der Vase sind zarte Wellenlinien angedeutet – vielleicht eine schwingende Gardine, die im Windhauch eines geöffneten Fensters hinter den Blumen weht. Gerade hier assoziiert man die elektrisierend wirkenden Kraftlinien der berühmten Porträtdarstellungen Max Oppenheimers. Auch diese sind oft unbestimmt in vibrierenden Grau- und Brauntönen gehalten, stets expressiv, manchmal ins Kubistische schweifend. Nicht zuletzt erhebt diese formale Parallele den „Fliederstrauß“ gleichsam in den Rang eines Porträts.

(Sophie Cieslar)

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