Alfred Haberpointner PL 2025
Am Anfang war das Holz
Nach der erfolgreichen Einzelausstellung 2021 präsentierte die Galerie bereits zum zweiten Mal unter dem Titel „Am Anfang war das Holz“ eine umfassende Werkschau von Alfred Haberpointner – über 50 aktuelle Arbeiten aus Holz und Bronze wurden in den Galerieräumlichkeiten in der Plankengasse gezeigt.
Die Arbeit mit dem Naturmaterial Holz bestimmt seit vielen Jahren das künstlerische Schaffen Haberpointners. In seinen Wandobjekten und Kopfskulpturen hackt, fasert, schneidet, presst und spaltet der Künstler unter großer physischer Anstrengung den Werkstoff. Der Kraftakt erfolgt halb manisch-obsessiv, halb meditativ-konzentriert. Die spannungsgeladene Energie und Dynamik der Werke entsteht genau aus dieser Balance zwischen reduziertem Feingefühl und konsequenter Heftigkeit. Der Witterung und der Hand des Künstlers ausgesetzt, werden die Holzteile so zu Kunstwerken transformiert, in denen die Natur ein Mitspracherecht hat.
Die oft farbige Beize, die aufgesprüht oder mit dem Pinsel aufgetragen wird, verstärkt die Oberflächenwirkung der Werke. Die Klüfte und Erhöhungen der Wandobjekte verdunkeln und verdichten sich und das kontrollierte Chaos der Ritzlinien entfaltet seinen vollen Tiefensog im Mittelpunkt. Auch bei den Kopfarbeiten, deren Form nur stellvertretend für den Menschen steht, spielen Farbigkeit und die Verschränkung mit dem Raum eine bedeutende Rolle. Trocknungsrisse, die natürlich im Holz entstehen, sind dabei genauso formgebend wie die vom Künstler herbeigeführten horizontalen, vertikalen und kreuzförmigen Einschnitte.
Mit den Bronzeobjekten – den „Gewichtungen“ – reflektiert Alfred Haberpointner eines der Zentralthemen der Bildhauerei: das Verhältnis und die Auslotung von Raum und Objekt. Die polierten oder patinierten, annähernd runden Bronzeformen weisen Dellen und Ausbuchtungen auf. Sie werden von jeweils drei filigranen Beinen getragen, die ihre asymmetrische Gewichtsverteilung durch den stabilen Stand ausgleichen müssen. Durch die entstehenden, ausgeklügelten Kompositionen schweben die Proportionen der Bronzeobjekte meisterhaft zwischen metallener Schwere und luftiger Leichtigkeit.
Im Zentrum Alfred Haberpointners Schaffen steht immer die Natur. Der Künstler macht durch das Wechselspiel von menschlicher Kreation und natürlichem Wachstum eine neue, sinnliche Naturwahrnehmung mittels seiner Kunstwerke erfahrbar. Es kommt eine kooperative, skulpturale Formensprache zu Stande, die Entstehungs- und Transformationsprozesse authentisch klar in sich vereint.
Zur Ausstellung erschien ein umfangreicher, wissenschaftlich recherchierter Katalog.