Hermaphrodit V Entwurf zwischen 1958 und 1961
Bronze, poliert
H 52 cm
Signiert und nummeriert: BERTONI 1/7
Auflage: 7 Stück
Literatur
Vgl.: Wander Bertoni. Das plastische Werk 1945 bis 1980, Wien 1981, Abb. S. 12, 110 ff.
Weitere Informationen
"Konsequenz – das ist für mich der Tod der Kunst.. Das ist keine Stärke, sondern ein Mangel an Gestaltungstrieb, an Phantasie und geistiger Beweglichkeit… Das nenne ich die Herrlichkeit eines Künstlers, wenn er unspekulativ arbeitet."
Der Titel der bronzenen Skulptur „Hermaphrodit V“ von 1961 verweist auf den ovoidischen Hermaphroditos, ein zweigeschlechtliches Wesen der griechischen Mythologie, das durch Zutun der Götter aus der Verschmelzung eines Jünglings und einer Nymphe entstand. Wander Bertoni präsentiert seinen „Hermaphrodit V“ in der Form eines organischen, asymmetrischen Zwillings: unten aus einem engen Bogen entsprungen, schwellen sanft zwei zylindrische Volumen empor, ähnlich der gebauchten Entasis einer antiken Säule. Zwischen ihren nahtlosen Körpern bleibt ein vertikaler Spalt als Negativraum in der Mitte der Skulptur frei. Kontrastiert wird die glänzende, fließende Gestalt von einer dunklen, eckigen Bodenplatte, die die Skulptur formal erdet.
Bertoni verknüpft das asymmetrische Streben nach oben im Inneren des „Hermaphrodit V“ mit der eiförmigen Konturlinie des Außenbogens. Die Form des Eis wird im plastischen Werk des Künstlers immer wieder als facettenreiches Sinnbild der Schöpfung und Geborgenheit, aber auch des Todes aufgegriffen. Die abgerundeten Enden der Volumen – beziehungsweise der zugespitzte Auswuchs nach Innen auf der einen Seite – erzeugen gemeinsam mit der leicht geneigten Ausrichtung der Skulptur eine statisch perfekt ausbalancierte Form. In diesem formal reduzierten, plastischen Gebilde zeigt Bertoni eindrucksvoll den „Dialog zwischen Körper und Raum, zwischen Ruhe und Bewegung“ .
