California revisited 2001
Acryl auf Leinwand
165 x 130 cm
Signiert und datiert links unten: PRACHENSKY (20)01
Rückseitig signiert, datiert und betitelt (2x): "California revisited - 2001"Markus PRACHENSKY 2001
Literatur
Vgl.: Klaus Albrecht Schröder, Antonia Hoerschelmann (Hg.), Markus Prachensky. Ein Hommage, Ausstellungskatalog, Albertina, Wien 2017, Abb. S. 56 ff.;
Prachensky. Frühe und späte Werke, Ausstellungskatalog, Essl Museum, Klosterneuburg 2007/2008, S. 70 f.;
Markus Prachensky. Eine Retrospektive, Ausstellungskatalog, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2002, Abb. S. 190 f.
Weitere Informationen
"Die Kunst muss das ganze Leben sein. Ich glaube, dass ein Maler als Maler aufsteht und als Maler sich ins Bett legt, besessen von der Idee, etwas Gutes zu bringen. Oft frage ich mich: Beherrscht mich die Malerei oder beherrsche ich sie? Es schreibt sich aus mir heraus. Es schreibt sich fort, das Werk. Wäre ich kein Atheist, würde ich sagen: In der Malerei geht es um die Schöpfung.“ (Markus Prachensky)
Stets verweist Markus Prachensky in den Titeln seiner Werke und Werkserien auf den Ort des Entstehens oder der Erinnerung. Meist sind es mediterrane Landschaften, archäologische Stätten, klassische Architekturen oder schlicht Naturerlebnisse, die den Künstler inspirieren und deren Eigenheiten er in sich aufnimmt, um daraus – häufig musikalisch von Klassik oder Jazzmusik begleitet – in Bildform etwas vollkommen Neues zu schöpfen. Im Jahr 2000 bereist der Künstler nach etwa drei Dezennien wieder Kalifornien. Die unverwechselbare Landschaft der amerikanischen Westküste, wo Markus Prachensky 1967 bis 1970 lebte, war – und wird ihm jetzt wieder – eine intensive Inspiration, von der Werkserien wie etwa die vorliegende "California Revisited" und später „California Miles“ zeugen.
Ein Stakkato aus vielfältigen Eindrücken prasselt hier auf den Besucher der Alten Welt nieder – das laute, pulsierenden Leben in Los Angeles, die bizarre Wüstentektonik und die Indian Canyons mit den roten, rund geschliffenen Felsformationen, palmenbestandene Boulevards, die den blauen Pazifik säumen, sowie Reminiszenzen an die Avantgardekunst des amerikanischen „Colour Field Painting“ der späten 1960er Jahre (vgl. auch „Los Angeles – Red on White“, Kat.Nr. 29) – diese geradezu explosive Gemengelage, durchdrungen vom ständigen Jazz eines Miles Davis, verdichtet sich bei Markus Prachensky malerisch in der programmatischen Serie „California Revisited“, die 2001 entsteht (Kat.Nr. 30).
Eines der herausragenden Werke dieser Serie – ein vergleichbares Gegenstück befindet sich heute in der Sammlung Belvedere – ist nebenstehendes Gemälde mit der so unverwechselbar pointierten roten und grünen Farbgebung auf schwarzem Grund, das gewissermaßen die Essenz seiner künstlerischen Handschrift repräsentiert: gestisch, dynamisch, durchaus emotionell und doch auch von architektonischer Präzision geprägt. Auf einen großformatigen homogenen, seidenmatt-schwarzen Grund setzt Markus Prachensky, kompositorisch raffiniert aus dem Bildzentrum verschoben, mit virtuosem Gestus drei zusammengeballte Farbakkorde, die lebhaft und in leuchtendem Kontrast miteinander interagieren. Aus dem unteren Bilddrittel heraus scheinen diese markant komprimierten – in intensivem Orange, Rot und Chromoxidgrün leuchtenden – stakkatohaften Farbbahnen regelrecht über die nachtschwarze Leinwand expandieren zu wollen und sich hieraus ausbreitende explosive Spritzer und Rinnspuren verstärken zusätzlich diesen dynamischen malerischen Prozess, der an Akkorde und Synkopen aus Miles Davis Jazztrompete denken lässt. Die charakteristische Verbindung zur Musik, insbesondere eben zu jener der Jazzikone Miles Davis, die als „Meditationsebene“ für die Serie dient, ist hier deutlich spürbar und die rhythmischen, durchaus auch an Notenkürzel erinnernden Farbströme suggerieren fließende und abrupte, jedenfalls improvisatorische Klänge, während der schwarze Grund eine geheimnisvolle Tiefe schafft, die zur Kontemplation einlädt. Wie in kaum einer anderen Serie lässt Markus Prachensky in dieser Fassung seiner kalifornischen Neuinterpretation den Betrachter an einem wahrhaft synästhetischen Kunsterleben teilhaben. Der rhythmische Zusammenklang der dynamischen Farbbahnen suggeriert hier in „California Revisited“ einen energiegeladenen, geradezu musikalischen Stimmungsraum, der weit über die Grenzen des Malgrundes hinaus klingt. „Von allen österreichischen Malern seiner Generation ist Prachensky wahrscheinlich der musikalischste. Seine Gemälde „klingen“ im emphatischen Sinn“.
„Man nimmt etwas auf von der Welt, das hat man dann in sich. Was ich daraus mache, ist aber nicht eine Reproduktion des Wahrgenommenen, sondern wird neu geschaffen. Es ist so eigenständig wie das, was ich als Realität einer Landschaft erlebt habe. Ich muss also mit jedem Bild über das Gesehene hinaus, das neue Bild muss eine Intensität gewinnen, die derjenigen der erfahrenen Wirklichkeit entspricht, es muss ebenso neu und sogar stärker wirken als der Weltausschnitt, der dem Bild den Anstoß liefert.“ (Markus Prachensky)
