Harding Meyer

(Porto Alegre 1964)

Folgende Werke sind käuflich zu erwerben

Biografie

Harding Meyer

Harding Meyer wurde 1964 in Porto Alegre, Brasilien, geboren. Ab 1987 studierte er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Professor Max Kaminski und Helmut Dorner. Inspirationen für seine Gesichter findet der Künstler in Magazinen, im Fernsehen und im Internet. Aus diesem Ideenpool schöpft er isoliert ein bestimmtes Antlitz, das er in einer unglaublichen Intensität auf großformatiger Leinwand malerisch festhält.
Sein Werk wurde auf zahlreichen Einzelausstellungen in verschiedenen Galerien in Berlin, Düsseldorf, Salerno und Toronto, sowie auf der Volta in Basel und im Cultural Village Katara in Doha gezeigt. Des Weiteren waren seine Bilder im Kunstverein und in der Städtischen Galerie Karlsruhe, im Musée Würth France in Erstein, in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall, im Museum Dr. Guislain in Gent, in der Neuen Galerie Gladbeck sowie im Palazzo Ducale in Genua ausgestellt.
Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin und Karslruhe.

Harding Meyer fotografiert Gesichter, vielfach weibliche, vom Fernsehbildschirm oder Computerscreen ab. Es sind anonyme Frauenfiguren, die er so der medialen Bilderflut entreißt. "Mir ist schnell klar geworden, dass das Malen einer unbekannten Person mir die Freiheit gab, meinen eigenen Stil zu entwickeln“¹, erklärt der Künstler. Manchmal legt er mehrere Köpfe übereinander, bearbeitet sie im Photoshop, bis er so das Modell für seine Malerei gefunden hat. Die Unschärfen und Verpixelungen, die sich in der Vergrößerung der Vorlagen ergeben, übernimmt er in seine Bildkompositionen, in denen er Köpfe meist in Frontalansicht und monumentaler Größe, ganz nahe wie bei einer filmischen Close Up Aufnahme an den Betrachter heranrückt. Der Kopf wird in einer Skizze angelegt und dann beginnt Meyer Schicht um Schicht seine Farben aufzutragen. Ein Bild kann dabei bis zu fünfzehn Malschichten haben, von denen der Künstler einzelne wieder abschabt oder wegwischt, die letzte Schicht zieht er mit einem Rakel ab, um den gewünschten flirrenden Blur-Effekt² zu erreichen. Die von ihm bevorzugten langsam trocknenden Ölfarben ermöglichen erst diese äußerst zeitaufwendige Technik; die Arbeit an einem Bild kann bis zu sechs Monate dauern.

Wenn man näher an die Bilder herantritt sieht man die Spuren des Arbeitsprozesses, das Verwischen und Abkratzen der Farbschichten tritt wie Verletzungen, wie Narben an die Oberfläche. Wer so die Bilder länger betrachtet, erkennt, dass es nicht um den schönen Schein geht. Harding Meyers Köpfe sind rätselhaft, tiefgründig, es ist keine dekorative Kunst, es sind Menschen entrissen dem digitalen Strom der Bilderflut, manipuliert und verfremdet „durch unnatürliches Kolorit, Verwischungen, Unschärfen und Spachtelspuren“. Durch den Akt des Malens kommt es zur „Rückführung vom neuen ins alte Medium“³.

¹David Galloway (Hg.), Harding Meyer. Eine Monografie. A Monograph, Bielefeld 2016, S. 9
²Als Blur-Effekt bezeichnet man in der Fotografie das Weichzeichnen und Verringern der Kontraste in einem Bild.
³Philipp Holstein, Das Gesicht der Gegenwart: Porträts von Harding Meyer, in: Galloway, S. 150

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